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Als am 24. März 1915 gegen 16.00 Uhr der chilenische Panzerkreuzer “Esmaralda” mit der zur Internierung bestimmten Besatzung der “Dresden” nahe der kleinen Insel Quiriquina in der Bucht vor Talcahuano/Conception (Chile) vor Anker ging, begann eine weit über 4 Jahre währende Zeit fern der Heimat für die Offiziere und Mannschaften des dt. Kriegsschiffes.
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Die Besatzung betrat am 25. März 1915 das kleine Eiland, um es nun für die noch unklar lange Zeit der Internierung wohn- und dienstbar zu machen.
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Der Tagesdienstablaufplan auf Quiriquina:
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Uhrzeit
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Maßnahme
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Inhalte
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06.00
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Wecken-Morgenroutine
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Aufstehen, Kojemachen, Waschen und Anziehen, Aufklaren
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06.40
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Morgenmusterung
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Besatzung divisionsweise angetreten, 1. Vollzähligkeitsmeldung
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07.00
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Frühstück
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Durch Backschafter im Mannschaftraum und den Messen vorbereitet
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07.45
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Dienstbeginn
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Arbeitseinteilung in den Divisionen, Zu- und Abkommandierungen
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11.00
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Dienstende
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Aufklaren der Arbeitsbereiche und sammeln auf dem Vorplatz
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11.20
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Mittagsmusterung
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2. Vollzähligkeitsmusterung des Tages, Postausgabe
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11.40
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Essenausgabe
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Backschafter zum Essenempfang und Aufbacken, Kantine öffnet
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12.00
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Mittagessen
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Essen und Mittagsruhe
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14.00
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Dienstbeginn
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Weiterführung der Arbeiten bzw. Neueinteilung
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15.40
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Kaffepause (20 min)
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Kaffee und Schmalzstullen am Arbeitsplatz, durch Dienste org.
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17.15
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Dienstende
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Arbeit beenden, Werkzeug reinigen, Stationen aufklaren
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18.00
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Abendbrot
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Abendbrot außer Landgänger, die aufs Festland fuhren
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20.20
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Rein Schiff
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Säubern aller Unterkünfte, Deck- und Offizierskammern
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20.45
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Abendmusterung
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3. Vollzähligkeitskontrolle, Bekanntgabe wichtiger Meldungen
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21.45
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Zapfenstreich
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Mannschaften in den Unterkünften, Pfeifen und Lunten aus
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22.00
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Nachtruhe
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Ruhe im Schiff, Licht aus
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Fotos oben: Die Matrosen S.M.S. “Dresden” beim Straßenbau auf Quiriquina. Der Ochsenkarren war die Transportkapazität für das Heranholen der Steine.
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Der Tagesdienst beinhaltete viele unterschiedliche Arbeiten, dem mil. Exerzieren, Körperertüchtigung und Dienstunterricht. Mit Arbeiten ist dabei das gesamte Spektrum an Tätigkeiten zu verstehen, damit die Insel den Bedürfnissen der Besatzung immer besser entsprach. Dazu zählen der Straßenbau, der Bau von Wohn- und Gemeinschaftshäusern ebenso, wie die Sanierung und Betreibung einer Energiezentrale, die Elektroenergie zur Verfügung stellte, der Bau der Trinkwasserleitungen, Toiletten sowie Dusch-Badeanlagen etc., etc. ... Um die notwendigen Arbeiten fachgerecht auszuführen zu können, entwickelten sich viele kleine “Unternehmen”, wie z.B. eine Schmiede, eine Tischlerei, Schneiderrei, Schumacher, Großküche, Pachtkantine, eine Transporteinheit in Form eines Ochsenkarrens (siehe Bilder) und alles wichtige, was ein kleines autonomes Gemeinwesen braucht, um zu funktionieren. Selbst ein “Banker” aus den eigenen Reihen war vorhanden, der Darlehn verlieh, damit sich die Matrosen Material und Lebensmittel für Ihre vielfältigen Freizeitaktivitäten kaufen konnten. Dennoch war die Besatzung bis zur Heimkehr nach Deutschland eine militärische Einheit mit allen organisatorischen und hierarchischen Eigenheiten der Kaiserlichen Marine. So wurde beispielsweise viel exerziert, da am 27. Januar jeden Jahres auch eine Parade abgenommen wurde. Auch Turnen und allgemeiner Unterricht waren wichtiger Bestandteil des Tagesdienstplanes.
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Fotos oben: Viele hand- und kunsthandwerkliche Gegenstände wurden von den einzelnen Gewerken gefertigt (hier z.B. Seekiste, Petschaft, Aschenbecher und Brieföffner des I.O. KL Wieblitz)
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Die zur Verfügung stehende Freizeit, insbesondere an den Wochenenden, wurde, den Umständen entsprechend, gestaltet.
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Foto rechts: Die Besatzung unterhielt zwei Fußballmannschaften, die nicht nur gegeneinander spielten, sondern auch gegen chilenische Mannschaften vom Festland erfolgreich waren.
Foto unten rechts und links: Es wird berichtet, dass die Leistungen im Turnen und in der Leichtathlentik so gut waren, dass sie gut und gern an den kontinentalen Meisterschaften von Südamerika hätten teilnehmen können. Das ging natürlich nicht, denn es waren ja Kriegsinternierte.
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Während der Internierungszeit gab es naturgemäß auch vielfältige Versuche aller Dienstgradgruppen, sich durch Flucht der Internierung zu entziehen. Die erfolgreichen Aktionen, wie z.B. die des OL Canaris vom 04. August 1915 oder die spektakuläre Flucht mit einem alten Segler, der “Tinto”, bis nach Europa mit u.a. acht Besatzungsmitgliedern der “Dresden” unter der Führung von Leutnant der Reserve Karl Richarz, sind dabei besonders in Erinnerung. Ein Teil der Besatzung verblieb nach Aufhebung der Internierung in Südamerika und versuchte dort ihr Lebensglück.
Am 19. Oktober 1919 konnte endlich der erste Teil der Besatzung unter Führung seines Kmdt., Kapitän zur See Lüdecke, die Heimreise über Santiago, Buenos Aires, Lissabon nach Rotterdam auf einem holl. Dampfer antreten. Die gesellschaftlichen Umwälzungen in Deutschland, bei denen die politischen Kräfte mit sich beschäftigt waren, führten dazu, dass das Schicksal der in Südamerika internierten dt. Marineangehörigen lange Zeit nicht beachtet wurde. Der Rest der Besatzung verließ die Insel Quiriquina unter Leitung des I.O., KL Wieblitz, am 31. Oktober 1919. Während die erste Truppe zu Silvester 1919 im dt. Sammellager Friedrichsfeld an der Weser ankam, traf der Rest der Besatzung am 13. Januar 1920 hier ein. Insgesamt 253 Mann kamen so in ihre Heimat, zu ihren Familien zurück.
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